Interim Management in Österreich

Der Manager auf Zeit

Interim Management als Unternehmenschance

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Interim Management als Unternehmenschance

Der externe Manager, der für eine vereinbarte, meist kurze Zeitperiode einem Unternehmen zur Verfügung steht, gilt in einigen Ländern bereits als fixer Bestandteil der Personalplanung und steckt - wie in Österreich - mancherorts noch in den Kinderschuhen. Auch hierzulande wird sich dieser Trend, gerade auch angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung, in den nächsten Jahren stark beschleunigen.

 

Die Geburt des Interim Managers

Interim-Management entstand als neue Dienstleistungsform in den Niederlanden Anfang der Siebziger-Jahre als Gegenmaßnahme zu der damals sehr restriktiven und behutsamen niederländischen  Arbeitsgesetzgebung unter den Ministerpräsidenten Joop Den Uyl (1973-1977) und Dries van Agt (1977-1982). Aufgrund politischer Differenzen der beiden handelnden politischen Akteure Hollands und des fehlenden Ministeriums für Beschäftigungspolitik wurden praktische Lösungen für die Probleme am Arbeitsmarkt stark verzögert.

 

Der Markt ergriff die Initiative

Verschiedene niederländische Marktteilnehmer – die sich von der Politik keine substantiellen Lösungen mehr erwarteten – ergriffen die Initiative und führten Interimsmanagement als Dienstleistung ein, um Unternehmen die benötigte Flexibilität zu verschaffen. Industriebetriebe standen generell vor dem Problem langer Kündigungsfristen für Mitarbeiter sowie großer Unkosten bei Veränderungen in den Managementpositionen.

 

Die Ich-AG

Niederländische Betriebe ermutigten vor allem erfahrene Fachspezialisten sich ihnen als Problemlöser anzubieten, eine absolute Innovation in dieser Zeit. Auf diese Weise wurde das Konzept des „Interim-Managers“ - wobei Manager für befristete Schlüsselfunktionen zum Einsatz kamen - ins Leben gerufen. Das Echo war beeindruckend. Die Manager auf Zeit wurden aufgrund der extremen Nachfrage am niederländischen Arbeitsmarkt rasch populär. Mit der Geburt des Interim-Managers entstanden gleichzeitig die ersten „Ich-AGs“ dieser neuen Zunft. Interim-Manager begannen sich wie Unternehmen zu positionieren, zu vermarkten und öffentlich aufzutreten.

 

Das Abkommen von Wassenaar

Die Zeit war reif für eine weitere Flexibilisierungsmaßnahme. Während der ersten Legislaturperiode des Premierministers Dries van Agt 1981, wurde Joop Den Uyl als Vizepremier mit dem neuen Regierungsressort „Arbeitspolitik“ betraut, welches 1982 von Minister Louw de Graaf übernommen wurde. Am 24. November 1982 folgte „Das Abkommen von Wassenaar“, (Het Akkoord van Wassenaar), das eine Einigung zwischen dem niederländischen Staat und den betroffenen Vertretungsorganisationen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern enthielt. Das Abkommen bedeutete „Lohnmäßigung“ im gleichzeitigen Austausch mit Arbeitszeitverkürzung der Arbeiter und Angestellten.

 

Geringste Arbeitslosigkeit weltweit

Durch die Arbeitszeitverkürzung und Flexibilisierung der Managementeinsätze konnten in den Achtzigern und Neunzigern des 20. Jahrhunderts in Holland mehr Menschen als je zuvor beschäftigt werden, der Export stieg gleichzeitig stark an. Bis heute gehören die Niederlanden weltweit zu den Staaten mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Bald darauf erlangte das Interim-Dienstleistungs-Konzept auch in anderen Teilen der Welt entsprechende Popularität. In den späten Achtzigern wurden Manager auf Zeit auch in Großbritannien in den Arbeitsmarkt eingeführt.

 

Der Unternehmens-Doktor

Die Idee der Interim Manager startete recht unauffällig und ohne große Publicity; die großen Auswirkungen und damit verbundenen Veränderungen waren noch nicht absehbar. Als die ersten Manager auf Zeit ihre Aufgaben in den Industriebetrieben übernahmen, wurden sie noch als Unternehmens-Doktoren bezeichnet (bitte nicht mit dem Betriebsarzt der Arbeitsmedizin verwechseln). Interim Management wird inzwischen als separater Dienstleistungszweig für Industrie & Wirtschaft voll anerkannt und entwickelt heute auch vermehrt Eigendynamik in Ländern wie Deutschland und Belgien.

 

Mehrwert für Unternehmen

In den Siebziger und Achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts bestanden die Hauptaufgaben vor allem im Sanieren von Firmen und Navigieren von Unternehmen in Zeiten des wirtschaftlichen Umbruchs. Aber auch das Berufsbild der Interim Manager unterlag einem kontinuierlichen Wandel. Unternehmen engagierten in den Neunziger Jahren vermehrt Interim Manager um offene Management-Positionen zeitlich befristet zu besetzen. Seit einiger Zeit werden sie als „Macher“ gesehen, die Projekte oder Veränderungsprozesse managen, Business-Prozesse optimieren, Know-how liefern und somit Mehrwert für Unternehmen schaffen. 

Interim Manager der ersten Stunde haben sich schon lange zu Verbänden formiert und einige der erfolgreichsten Manager auf Zeit gründeten eigene Interim-Management-Provider-Gesellschaften, die flexible Manager auf Zeit vermitteln, um der stetig steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

 

Österreich noch zurückhaltend

Trotz der außerordentlichen Entwicklung des Interim Managements in bestimmten Teilen von Europa bedarf Interim Management noch einer breiteren Anerkennung in Österreich. Politiker und Entscheidungsträger schenkten diesem Thema am Arbeitsmarkt kaum oder so gut wie keine Beachtung. Traditionelle Ansätze und die quasi Auslagerung der Arbeitspolitik in die Schattenregierung der Sozialpartnerschaft lähmen bis heute die Flexibilisierung des österreichischen Arbeitsmarktes. Ein Blick über die Landesgrenzen würde hier nicht Schaden!

Gleichzeitig sind die meistens KMU’s und Konzerne hierzulande noch relativ zurückhaltend beim Engagement eines Managers auf Zeit. Dies dürfte vor allem mit unausgesprochenen Ängsten und unberechtigten „Bedenken“ im Zusammenhang mit folgenden Themen stehen: Erhalt von Arbeitsplätzen, Bedrohungen im wirtschaftpolitischen Umfeld (Wettbewerb) oder das Risiko, die Kontrolle über das Unternehmen zu verlieren – ein hartnäckiger Irrglaube.

Denn ein Interimsmanager wird ja gerade deswegen eingesetzt weil ein bestimmtes Know-how im Unternehmen fehlt, ein Manager plötzlich abhanden kommt oder weil die bestehenden Manager nicht mehr „miteinander können“ und dadurch notwendige Veränderungen aufgrund der fehlenden internen Akzeptanz blockieren. Manager auf Zeit sind nicht dauerhaft im Unternehmensgefüge integriert und treten daher auch nicht in Konkurrenz zu den Karriereambitionen interner Führungskräfte.  

 

Die Zukunft der Interim Manager

Manager auf Zeit werden in Europa in allen Branchen und Disziplinen, wie Technologie, Marketing & Sales, Finanzwesen, Telekommunikation, Personalbeschaffung, etc. sehr erfolgreich eingesetzt. Externe Manager kennen so gut wie keine Tabuthemen, weil sie nie mit Sanktionen rechnen müssen. Aufgrund dieser Unbefangenheit von Interim Managern können sie in der Regel viel besser den „Wandel“ von Organisationen voranbringen als Führungskräfte aus den eigenen Reihen. Außerdem stellen externe Manager die richtigen Fragen und ausgerechnet solche, die bisher niemand zu stellen gewagt hat. Interimsmanager kommen sehr flexibel zum Einsatz und liefern Kosten-effektive, termingerechte Antworten für anstehende Business-Probleme; auch in Österreich.

Die Zukunft des Interim Managements gehört vor allem den internen Prozess-Optimierungen, wie Produkt-entstehungsprozessen (PEP), Restrukturierungen und Projekt-gesteuerten Aufträgen. Letzteres wird dadurch bedingt, dass Betriebe mehr „outsourcen“ werden und dazu übergehen, verstärkt Projekte außerhalb ihres eigenen Kerngeschäftes abzuwickeln.

 

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Ihr

Hubertus Neef

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http://www.xing.com/profile/Hubertus_Neef

 

Salzburg, Österreich 14.01.2009

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